Alter,  D a s ,  b r i n g t   k e i n e  H e i l u n g  d e r  S ü n d e.

 

Nach Äsop fand eine alte Frau einen leeren Krug, der vor kurzem voll trefflichen, alten Weines gewesen war und noch den lieblichen Duft seines frühern Inhalts zurückbehalten hatte. Sie hielt ihn gierig mehrere Male an die Nase und sagte: „O, sehr köstlich!“ - Wie gut muß der Wein selbst gewesen sein, wenn er sogar in dem Gefäß, das ihn enthielt, einen so süßen Wohlgeruch zurückließ !“

 

Die Menschen hätscheln oft ihre Laster, wenn sie die Kraft, sich derselben zu erfreuen, verloren haben. Das Andenken an Schwelgerei und Wollust scheint den Ungöttlichen noch in ihrem Alter süß zu sein. Sie riechen an den leeren Flaschen ihrer Thorheiten und wünschen nur, sie könnten wieder trunken von ihnen werden. Das Alter heilt nicht das böse Herz, sondern stellt die unvertilgbare Verderbtheit der menschlichen Natur in einem lächerlichen, aber tief schmerzlichen Lichte dar.

 

 

Aus: Charles Haddon Spurgeon, Federn für Pfeile

 

 

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